Gedankensuche im Gehirn
Oktober 17th, 2009 Kommentare deaktiviert
Wissenschaftler müssen sich jetzt das Denken anders denken: Weniger als einen bestimmten Ort im Gehirn, von dem aus ein Gedanke wandert – und schon gleich gar nicht quer durch den Kopf – sondern als ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Nervenzellen.
Bis zu 100 Milliarden Nervenzellen befinden sich im Gehirn – und jede von ihnen ist mit 10.000 anderen vernetzt. Es gibt mehr Verknüpfungsmöglichkeiten der Neuronen als es Atome im Universum gibt!
Zwischen diesen Neuronen funkt es, und zwar gewaltig: Elektronische Impulse werden weitergegeben, die „Aktionspotenziale“. Nach einer Sekunde kann eine Nervenzelle mindestens hundert davon erzeugen, manchmal sogar bis zu tausend.

Gedankenblitze im Gehirn
Aber damit ist ein Gedanke noch immer nicht lokalisiert. Denn es gibt keine geistige Funktion, bei der nur ein einziges Areal im Gehirn tätig wäre. Wenn wir denken sind immer ganz verschiedene Teile des Gehirns gleichzeitig aktiv. Dies zeitgleichen Aktivitäten sind messbar und darstellbar: Es entstehen spezifische raumzeitliche Muster des Gehirns, wenn ein Gedanke entsteht, eine Erinnerung abgerufen oder ein Sinneseindruck wahrgenommen wird. Der „Geistesblitz“ ist also eher ein Gewitter im Gehirn.
Schon vor hundert Jahren hat das der Neurologe Korbinian Brodmann anschaulich beschrieben: Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Areale des Gehirns funktioniert wie ein Kammerorchester. Denken wir zum Beispiel an einen Apfel, dann ist das eine ganze Sinfonie, deren unterschiedliche Stimmen von ganz verschiedenen Musikern gespielt werden: Farbe, Form, Geruch und Geschmack des Apfels werden aus den unterschiedlichen Gehirnarealen „zusammengedacht“.
Die Informationsverarbeitung funktioniert im Gehirn durch eine zeitliche Organisation: Es stellt gleichsam eine zeitliche Plattform, ein Gegenwartsfenster von etwa drei Sekunden, eine Drei-Sekunden-Bühne. Diese Länge ist nicht willkürlich: Solche Zeitfenster gibt es überall – ein Händedruck, ein Blick zurück, ein Schluck Wein, all das dauert ungefähr drei Sekunden.
Soll eine Information gelernt werden, wird sie am besten in solchen Drei-Sekunden-Happen verarbeitet und ins Langzeitgedächtnis aufgenommen.
Bayrischer Rundfunk Wissen/Bildung November 2005 Zusammenfassung Sigrid Ebert
Kontaktfreudige Synapsen
Oktober 16th, 2009 Kommentare deaktiviert
Sie sind die wichtigste Voraussetzung für einen klugen Kopf: Je mehr andere Neuronen eine Nervenzelle kennt, umso besser. Eine möglichst komplexe Vernetzung der Neuronen steigert die Leistung des Gehirns: flexibles Denken, großes Wissen, gute Erinnerung.
Der größte Teil der Verbindungen zwischen den Nervenzellen des Gehirns wird in den ersten Lebensjahren angelegt: Kinder brauchen vielfältige Erfahrungen, müssen viel erleben, um viel begreifen zu können.
Die Synapsenbildung der Neuronen kann aber auch angeregt werden – die Lernbereitschaft des Gehirns kann erhöht werden. So werden am Institut für Kommunikation und Gehirnforschung in Stuttgart spezielle neuroaktive CDs für Kinder mit Lernschwächen oder motorischen Störungen entwickelt: Spezielle Musik oder Geräusche sollen neue Frequenzbereiche im Gehirn anregen – Walgesang während der Rechenaufgaben etwa. Sogar bei autistischen Kindern zeigen sich erste Erfolge dieser Behandlung.

Synapsen
Auch im Alter ist unser Gehirn noch ausbaufähig: Neurologen haben herausgefunden, dass Nervenzellen sich ein ganzes Leben lang teilen können. Unsere kleinen grauen Zellen sterben also nicht nur ab, sondern es kommen auch immer wieder neue hinzu. Zurzeit werden die Substanzen erforscht, die dieses Nervenwachstum fördern. Noch weiß man nicht viel über den „Nervendünger“, nur das er vermehrt bei geistiger und körperlicher Aktivität entsteht.
Eine andere spektakuläre Erkenntnis: Auch die Verbindungen der Neuronen im Gehirn können ein ganzes Leben lang umgebaut und erweitert werden. Werden einzelne Areale des Gehirns geschädigt, können die unbeschädigten Teile die Funktionen übernehmen und neue Verbindungen eingehen. In einer erstaunlichen Reorganisationsleistung bildet das Gehirn neue Neuronenverbände, um die Funktionstüchtigkeit zu erhalten – etwa nach einer Hirnschädigung durch einen Schlaganfall.
Bayrischer Rundfunk November 2005 Zusammenfassung Sigrid Ebert
Jeden Tag ein neues Universum
Oktober 15th, 2009 Kommentare deaktiviert
Jeden Tag ein neues Universum
Kaum ein Prozess läuft so vielschichtig ab wie die Reifung des menschlichen Gehirns. Bereits sechs Wochen nach der Entstehung des Embryos bilden sich die ersten Hirnnervenzellen. Sie entstehen in Rekordzeit, so dass an manchen Tagen bis zu 580.000 Stück pro Minute gebildet werden. Rund 120 Milliarden solcher Neuronen bringt ein Neugeborenes mit auf die Welt.
Sobald ein Kind den Mutterleib verlassen hat, entwickelt sich das Gehirn in großer Geschwindigkeit. Der Säugling lernt – und sein Gehirn entwickelt sich. Es baut an seiner „funktionalen Architektur“, dem neuronalen Gerüst, das bestimmt, was ein Mensch kann, fühlt und wer er ist.

Neuronale Verknüpfungen
Ein Gehirn, das ausdauernd und kontinuierlich gefordert wird, verliert seine Leistungskapazität selbst im Alter nicht. Intensives Nachdenken, sich mit einer Sache beschäftigen, selber denken, all dies verbessert messbar die Gehirndurchblutung und mobilisiert den Gehirnstoffwechsel. Aktives Denken verdichtet die Verbindungen der Milliarden Nervenzellen untereinander, in dem sich die Synapsen verändern. Diese Verdichtung führt zu mehr Leistung und lässt sich in jedem Lebensalter aufbauen.
Die Grundlage jeden Gedächtnistrainings ist die Schulung der bildhaften Vorstellung, denn Bilder merken wir uns besser als Worte. Das heißt, eine abstrakte Information, die man erhält, sollte mit einer konkreten bildhaften Vorstellung und einem Speicherwort verknüpft und mit Gefühlen und Sinneseindrücken verbunden werden. Später, wenn man sich an die Information erinnern will, fallen einem die mit dem Bild verbundenen Informationen dann sehr viel leichter wieder ein.
Besonders wichtig für die intellektuelle Entwicklung ist emotionaler Kontakt. Kinder lernen Wörter schneller, wenn ein vertrauter Erwachsener ihre Sprechversuche begeistert kommentiert. Sie verbinden mit den neuen Vokabeln dann ein positives Gefühl und behalten sie daher besser.
Wir neigen dazu, unsere Kinder mit Reizen zu überfluten. Wenn sie als Säuglinge am liebsten mit den Händen spielen, überhäufen wir sie schon mit allem möglichen Spielzeug. Eltern sollten nicht zu viel und keinesfalls immer nur Perfektes anbieten. Sonst zerstören sie den Endecker- und Erfindergeist. Denn Kinder lernen an besten durch eigenes Ausprobieren und unmittelbare Erfahrung. Erst dann bauen sich bleibende neuronale Netze auf. Doch nur solche, die gebraucht werden bleiben.
So genannte Entwicklungsfenster bestimmen, welche Fähigkeiten der Säugling wann erlangt. Insgesamt aber endet diese optimale Lernphase sehr früh. Wenn Schüler mit zehn Jahren englische Vokabeln lernen, ist das Sprachfenster längst wieder zugefallen. Bei den meisten ist das Gehirn nach zehn Jahren so weit gereift, dass sie nun bewusst nach Regeln lernen müssen –anders als Kleinkinder, die spielend zwei Sprachen gleichzeitig erwerben.
Mit etwa zehn Jahren geht das Fenster auf, das es dem Menschen ermöglicht, ein soziales Wesen zu werden: Im Gehirn formen sich die Strukturen, an denen das Ich-Bewusstsein hängt. Etwa zu diesem Zeitpunkt entwickeln sie auch ein kurzzeitiges „episodisches Gedächtnis“, in dem sie nun Erlebnisse vorübergehend als Erinnerungen abspeichern. Spätestens dann brauchen Kinder unbedingt Erwachsene, die sich nach wiederkehrenden Regeln verhalten. Sonst wachsen sie mit falschen Annahmen über die Welt auf.
Quelle Der Spiegel 43/2003 Zusammenfassung Sigrid Ebert
Die Macht guter Gefühle
Oktober 14th, 2009 Kommentare deaktiviert
Positive Emotionen stärken Körper und Geist und machen fit für Krisenzeiten. Die neueste Erkenntnis: Der Blick durch die rosarote Brille lässt sich trainieren!
Längst haben Wissenschaftler bemerkt, dass Menschen, die sich gut fühlen, im Schnitt auch länger leben. Doch wie ist es möglich, dass Vertrauen in die Zukunft zu einer höheren Lebenserwartung verhilft? Kann ein heute erlebtes, gutes Gefühl so langfristige Folgen zu haben? Und falls ja, sind positive Emotionen dann eine Frage des Schicksals oder lassen sie sich gezielt erzeugen?
Erste Antworten liefert die junge Disziplin der „positiven Psychologie“. Sie ist das geistige Kind von Martin E.P. Seligman. Zusammen mit Forschern der University of Chicago empfiehlt er, sich darum zu kümmern, was das Leben lebenswert macht.

Positive Emotionen stärken Körper und Geist
Der Einfluss positiver Gefühlszustände auf Denken und Verhalten lässt sich psychologisch untersuchen. Einige Mediziner bekamen Süßigkeiten und wurden gebeten, laut zu denken, während sie den Fall eines Patienten mit einer Lebererkrankung lösen sollten. Die beschenkten Ärzte integrierten die unterschiedlichen Daten nicht nur schneller als jene, die leer ausgingen, sie bissen sich auch seltener an einem Gedanken fest und waren eher bereit, voreilige Schlüsse wieder zu verwerfen.
Ähnlich gelang es gut gelaunten „Streitschlichtern“ im Experiment besser, ein komplexes Verhandlungsproblem zu lösen.
Fazit: Das Denken sich wohl fühlender Menschen ist kreativer, flexibler, umfassender und offener.
Quelle Barbara L. Fredrickson 2003 Zusammenfassung Sigrid Ebert
Glücksgefühle durch Mathe
Oktober 13th, 2009 Kommentare deaktiviert
2008 war das Jahr der Mathematik. Für Mathematikprofessor Ehrhard Berehnds ist Mathe eine Wissenschaft, die Glücksgefühle auslösen kann. Doch er weiß, dass seine Faszination für Mathematik befremdlich wirkt.
Behrends will die Vorzüge seines Fachs populär machen. „Mathematik ist fast überall“ sagt er. Sie steckt hinter Kennwörtern beim Datenaustausch, in der Graphik auf dem PC-Monitor und selbst im U-Bahn-Fahrplan.
Eine Einführung in die Mission „Liebe zur Mathematik“ gibt es in seinem Büro. Dort hat der 61-jährige begeisterte Programmierer am Computer komplexe Gleichungen in bunte Farbformen umgesetzt, die an Gesteinsschichten oder Tapeten aus den 70er-Jahren erinnern. Er zaubert auch dreidimensionale Graphiken hervor, die das Auge täuschen wie ein Bild des niederländischen Malers Maurits Cornelis Escher. Das Auge lässt sich reinlegen, ein Mathematiker nicht. Der rechnet nach: Stimmt das oder stimmt das nicht?
